FAQ

Was wollen wir erreichen?

Mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt. Eine informierte Debatte, wie die Wohnsituation in Hamburg erschwinglich bleiben kann.

Viele Eigentümer von Mietwohnungen sind nicht öffentlich. Das betrifft Mieter, die den wahren Eigentümer ihrer Wohnung nicht kennen. Von der Intransparenz profitieren auch Firmen, die mit Wohnungen handeln oder Mieter ausnutzen.

Wir wollen recherchieren, ob fragwürdige Firmen ihre Geschäfte in Hamburg machen. Oder ob in Einzelfällen Immobilienkäufe zur Geldwäsche genutzt werden. Mit den Recherchen können wir prüfen, ob sich Investoren an die Vorgabe halten, Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen anzubieten.

Wir wollen mit dieser Recherche auch die Frage aufwerfen, ob die Geheimhaltung der Grundbücher noch zeitgemäß ist. Die Grundbücher der Städte und Gemeinden in Deutschland sind nicht vernetzt, nur wenige haben Zugang. Das nützt Firmen, die Geschäfte verschleiern wollen.

Und wir sind überzeugt, dass Transparenz den Bürgern hilft, die Stadt mitzugestalten. Wenn wir wissen, wie der Immobilienmarkt funktioniert, können Bürger und Politik besser diskutieren, was sich ändern muss, damit Wohnen in Hamburg erschwinglich bleibt und letztlich in allen Städten in Deutschland.

Wie wollen wir das erreichen?

Wir gehen einen neuen Weg: gemeinsam mit den Mietern. Denn Sie kennen Ihren Eigentümer oder haben das Recht darauf, es zu erfahren. Dazu nutzen wir unsere Plattform CrowdNewsroom, mit der wir bereits erfolgreich bei zwei Recherchen gearbeitet haben. Bürger in ganz Deutschland sammelten Informationen über faule Kredite, Vorstandsgehälter und überhöhte Dispozinsen ihrer lokalen Sparkassen. In Dortmund meldeten hunderte Schüler, Lehrer und Eltern einen Monat lang den Unterrichtsausfall an ihrer Schule. Mit der Recherche zum Wohnungsmarkt in Hamburg führen wir die Idee des CrowdNewsroom fort. Interessierte Bürger lernen journalistische Methoden kennen und helfen gleichzeitig bei großen Recherchen, die mit einem kleinen Team nicht umsetzbar wären.

Das bedeutet konkret: Seit April können sich Bürger hier an der Recherche beteiligen, indem sie Informationen aus ihrem Mietvertrag hochladen, die dann von CORRECTIV-Journalisten verifiziert werden. Die Journalisten werten die Daten anschließend aus, recherchieren zu den Hintergründen von fragwürdigen Eigentümern und veröffentlichen Geschichten zum Wohnungsmarkt, die für die Öffentlichkeit relevant ist.

Warum betrifft diese Recherche die Mieter?

Weil sie oft nicht wissen, wer der wahre Eigentümer ihrer Wohnung ist. Der Immobilienmarkt ist in Deutschland intransparenter als in vielen anderen Ländern Europas. So muss der Eigentümer einer Wohnung nicht unbedingt im Mietvertrag aufgeführt sein. Viele Mieter schließen zum Beispiel ihren Vertrag mit einer Hausverwaltung ab. Kommt es zu Problemen, ist es für sie oft schwer, den wahren Eigentümer zu erreichen.

Große Investoren drängen zunehmend auf den Markt und handeln mit Wohnungen. Sie versprechen ihren Anlegern hohe Renditen. Diese müssen sie auch durch höhere Mieten erzielen. Hamburg zählt für Investoren zu den lukrativsten Städten in Deutschland. Dadurch kommt es zu Mietsteigerungen, die an die Grenze des Erlaubten gehen und manchmal darüber hinaus.

Von mehr Transparenz profitieren alle: Die Bewohner wissen, in welchen Händen ihre Wohnung ist. Journalisten können mit den Infos Missstände herausfinden. Das wiederum bringt Aufklärung. Auch für die Stadt ist es wichtig, zu wissen, wie das Eigentum verteilt ist. Bürger und Politiker können gezielter darüber streiten, wie ein erschwinglicher Wohnungsmarkt gelingen kann.

Können sich neben Mietern auch Eigentümer beteiligen?

Neben den Mietern können sich natürlich auch die Eigentümer beteiligen und uns mitteilen, wo Sie Wohnungen besitzen. Wenn Sie mehrere Wohnungen auf einmal mitteilen möchten, kontaktieren Sie uns am besten per E-Mail an hamburg(at)correctiv.org. Ohnehin wollen wir nicht Eigentümer an den Pranger stellen, sondern nur die benennen, die fragwürdig handeln oder den Hamburger Wohnungsmarkt wesentlich beeinflussen. Wir veröffentlichen nur Auswertungen der Daten, die relevant sind, um Missstände zu benennen.

Wollen wir Eigentümer bloßstellen?

Nein. Die Recherche zum Wohnungsmarkt in Hamburg ist ergebnisoffen. Wir greifen mit dieser Recherche nicht Privatpersonen und Firmen an, die Eigentum in Hamburg besitzen. Ganz im Gegenteil: Wir wollen sowohl mit Mietern als auch Eigentümern ins Gespräch kommen.

Uns interessieren in erster Linie zwei Fragen: Welche Eigentümer beeinflussen maßgeblich den Wohnungsmarkt und welche Eigentümer handeln fragwürdig? Die Daten, die wir hier mit Hilfe der Bürger sammeln, geben uns Anhaltspunkte für weitere Recherchen. Später bei Veröffentlichungen werden wir die Namen von einzelnen Eigentümern nur nennen, wenn es ein berechtigtes öffentliches Interesse gibt. Bei CORRECTIV arbeiten erfahrene Journalisten, die seit Jahrzehnten bei jeder Veröffentlichung genau überlegen, ob es notwendig ist die Klarnamen von handelnden Personen und Firmen zu nennen.

Wie kann ich mitmachen?

Die zentrale Frage ist: Wer ist der Eigentümer meiner Wohnung? Sind sie selbst Eigentümer, können Sie uns die Frage leicht beantworten. Für die Mieter selbst ist die Antwort nicht so einfach.

Nicht selten ist der Vermieter im Mietvertrag nicht gleich der Eigentümer. Denn oft ist der Vertragspartner eine Hausverwaltung. In dem Fall wollen wir den Mietern helfen, den wahren Eigentümer herauszufinden.

Dazu setzen wir den CrowdNewsroom ein.

Wichtig ist, das viele Bürgerinnen und Bürger mitmachen: je mehr sich beteiligen, desto mehr Schlüsse über den Immobilienmarkt lassen sich ziehen. Erzählen Sie Ihren Freunden und Nachbarn von dem Projekt. Teilen Sie wem-gehoert-hamburg.de per E-Mail oder auf Facebook, Twitter oder Instagram.

Was machen wir mit den Daten?

Wir behandeln die Daten mit großer Sorgfalt. Wir werden keine Informationen veröffentlichen, die Rückschlüsse auf den Informationsgeber zulassen — es sei denn dieser erteilt nach Rückfrage seine Zustimmung. Wir tragen alle öffentlich verfügbaren Daten zusammen und kombinieren diese mit den Einträgen, die Mieter und Eigentümer hochladen. Diese Daten werten wir intern aus.

Später werden wir ausgewählte Daten veröffentlichen. Dabei liegt unser Fokus auf den großen Finanzinvestoren und den Organisationen, die fragwürdig handeln. Persönliche Daten sowie die Namen von Besitzern weniger Immobilien werden nicht veröffentlicht.

Aus den Daten können dann Geschichten über besonders problematische Investoren entstehen, aber auch Übersichtskarten mit den Eigentumsverhältnissen eines Stadtteils.

Was wir keinesfalls veröffentlichen, sind Mietverträge, Nebenkostenabrechnungen oder andere private Dokumente, die Sie uns als Beleg für Ihren Eintrag zu einem Eigentümer anvertrauen.

Weitere Details finden Sie in unseren [Datenschutzbestimmungen](https://wem-gehoert-hamburg.de/datenschutzbestimmung).

Was passiert wann?

Seit Februar haben wir die Bürgerinnen und Bürger über das Projekt informiert und über den Fortlauf in einem Newsletter informiert.

Seit dem 5. April hat die Bürgerrecherche begonnen. Einen Monat lang arbeiten wir mit Bürgern zusammen, um mehr über die Wohnungsinhaber zu erfahren.

Die gewonnenen Daten werten wir anschließend ab Mai für unsere Recherchen aus.

Wer sind wir?

CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum in Deutschland. Wir arbeiten unabhängig und nicht–gewinnorientiert. Die Redaktion finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge von Unterstützern. Wenn Sie mehr über uns erfahren und uns unterstützen möchten: CORRECTIV unterstützen.

Wir kooperieren in Hamburg mit den Kollegen des Hamburger Abendblattes, mit denen wir gemeinsam über den Immobilienmarkt recherchieren.

Der Mieterverein zu Hamburg beteiligt sich auch an dem Projekt und unterstützt die Mieter dabei, mehr über die Eigentümer herauszufinden.

Der Blog FINK, die Studentenredaktion der HAW Hamburg, wird ab April ebenfalls über die Wohnungsmarkt in Hamburg berichten.

Wie können Sie uns kontaktieren?

Wir sind in Hamburg vor Ort, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Dazu haben wir seit Mitte März einen Teil der CORRECTIV–Redaktion ins Herz der Stadt, nach St. Pauli, verlegt. Wir bieten dort Veranstaltungen mit Mietern, Stadtexperten und Politikern an. Alle sind herzlich eingeladen: kommen Sie vorbei!

Und Sie können uns auch direkt kontaktieren. Erzählen Sie uns ihre Mietergeschichte, geben Sie uns gerne Hinweise.